Jugendfreizeit Attenhausen – fast gemeinsam im Hier und Jetzt

SloKro ohne Slo und Kro

Nur 40 Kilometer von Koblenz in einem Lahnnebental entstand zu Beginn der Sommerferien das Ersatzcamp für die ursprünglich in Slowenien und Kroatien geplante Jugendfreizeit der evangelischen Gemeinden Andernach, Vallendar und Winningen mit dem Arbeitstitel SloKro.

Nach serpentinenreicher, knapp einstündiger Fahrt verlaufen die letzten Meter zum Camp über Schotterpiste. Handyempfang ist Glückssache. Das riesige Gelände einer einsamen Mühle im straßenlosen Bachtal, ehemals ein Campingplatz, vermittelt den Eindruck, wirklich weit weg zu sein. Wegen in der Wildnis verlorengegangener Kinder, so die Legende, trägt es im Volksmund den Namen „Jammertal“. In jeder Hinsicht ein geeigneter Ort für eine Jugendfreizeit, auch ohne Corona. Wir dürfen das Gelände exklusiv für unser Camp nutzen. Die Besitzerin kommt selbst aus der Jugendarbeit und unterstützt unser Vorhaben verständnisvoll und nachhaltig. Der Weg zum Zeltplatz ist eine Sackgasse und zu guter Letzt quert man auf dem Weg zur Zeltwiese den Dörsbach über eine kleine Brücke, oder, wahlweise, durch eine Furt. Direkt am Bach gelegen ist ein riesiges Zeltcamp entstanden.

Essensausgabe fürs Catering, Materialzelt und Großzelte als Schlechtwetternotnagel umrahmen den Gemeinschaftsbereich, dahinter, soweit das Auge reicht, Kleinzelte. Denn geschlafen wird in Einzelzelten. Und weil sich Desinfektion nicht mit Imprägnierung verträgt hat das Team in der Vorbereitung gleich zwei Sätze davon aufgebaut. Zum Glück gibt’s am Oberlauf jenseits der Mühlengebäude noch mal so viel Fläche fürs Programm.

Capture the Flag, Brettspiele, Farben-Fangen, Leuchtturm, Stratego, Batiken, Sitzplatz, Känguru, Handlettering, Makramee, Töpfern, Wikingerscach, Insta-Tour, Filmdreh, Wildpflanzen, Salbe herstellen, Flaschenpost, Yoga, Meditation, Ultimate Frisbee, Hühnergolf, Volleyball, Dart, Bogenschießen, Feuerwerkstatt, Crossboule, Federball, Basketball, Tierbeobachtung, Fitness, Krafttraining, Laufen, Sinnsuche, Gerben, Survival, Tischtennisturnier und Weiteres standen auf dem Programm. Statt Braun- gab es dieses Mal Waschbär in der Fotofalle, weniger aufregend, aber angesichts der Hygieneauflagen voll im Trend der Zeit.

„Coronakonform“ ist wohl eins der meistgenutzten Worte im Planungsprozess, nachdem das Team Mitte Mai, als klar wurde, das Slowenien und Kroatien als Umsetzungsorte zu riskant sind, nach kurzer Trauer geschlossen befand, weiter an einer Umsetzung zu arbeiten. Zunächst noch mit mehreren Alternativplänen, da zu dem Zeitpunkt noch wenig Klarheit zu Umsetzungsauflagen herrschte. Erst Mitte Juni erschien das sehnlich erwartete Hygienekonzept für Jugendfreizeiten der Landesregierung, nur 14 Tage vor Start der Umsetzung. Und zum Glück ließ sich der zu diesem Zeitpunkt bereits favorisierte Alternativplan auf die Vorgaben übertragen: Drei Teilgruppen für je eine Woche nacheinander nah an der Heimat. Eine Evakuierung des Camps wäre so jederzeit möglich gewesen und die kleinere Gruppengröße machte das Einhalten geforderter Abstandregeln möglich. Ein Caterer löste die Selbstverpflegung ab. Das Kreisgesundheitsamt Rhein-Lahn befand den Hygieneplan für gut und unterstützte bei der Klärung von Detailfragen, eine große Erleichterung.

Das Resümee der Teilgruppen übertrifft die Erwartungen der Meisten und verbindet alle Beteiligten aus den Kleingruppen. Gemeinschaft am Lagerfeuer und Flow-Erleben waren für die meist großgruppenerfahrenen Beteiligten ganz anders als sonst, aber eine echte Alternative. Wenn möglich, wieder Slowenien und Kroatien, aber Jugendfreizeit geht auch anders, wenn nötig, so der Konsens. Viele Beteiligte konnten nach dem digitalen Overflow während des Lockdowns sogar dem Funkloch etwas abgewinnen: Gemeinsam mit anderen im Hier und Jetzt.„Die Kleingruppen-Situation dieses Jahr hat mich erst mit etwas gedämpfter Erwartung starten lassen, aber es war der absolute Hammer. Das Team-Teilnehmenden Verhältnis ist super gewesen. Es gab durch die kleinen Teilgruppen überhaupt keine Grüppchenbildung und das fand ich richtig gut. Gerne nächstes Jahr wieder SloKro (Slowenien und Kroatien) aber wenn wieder Attenhausen ansteht bin ich auf jeden Fall genauso gerne dabei !“, so das Fazit von Paul Neff, Teamer aus Vallendar.

Der Dörsbach ist nicht das Mittelmeer, das ist klar, aber es bleibt die Erfahrung, dass Gruppenerleben wesentlicher sein kann, als der Aufenthaltsort. Die Bedrohung durch den Virus ist abstrakt und vieles, was passiert und gefordert wird, nicht unmittelbar nachvollziehbar. Und Regeln zu hinterfragen ist unter Normalbedingungen eine Tugend, zu der in der Lebensphase Jugend nicht immer alle ständig aufgefordert werden müssen.

„Wir hatten viel Glück“, so Immo Meyer, einer der hauptberuflichen Begleiter der Tour aus der Evangelischen Kirchengemeinde Vallendar. „Die Fähigkeit des ehrenamtlichen Teams, nach anfänglicher Enttäuschung über den Verlust von gewohntem und liebgewonnenem schnell und unter Zeitdruck Konzepte umzustricken und das Beste aus der Situation zu machen ist bemerkenswert. Und dann noch eine Haltung zu entwickeln, die den Tanz mit dem Virus und den Hygieneauflagen so an Jugendliche vermittelt, dass der Schutz aller Beteiligten zu einem wirklichen Anliegen wird, das von allen getragen wird, jenseits von Überwachung und Sanktion, war eine der größten Herausforderungen für alle Beteiligten. Großer Dank an Team, Kollegen, kooperierende Gemeinden und unsere großartigen UnterstützerInnen am Ort der Umsetzung!“

Egal wo, auch 2021 soll es eine Jugendfreizeit geben. Die neue Planung startet im Herbst, natürlich mit Priorität auf Umsetzung in Slowenien und Kroatien, aber solange die Lage unklar bleibt behalten wir auch Alternativen bereit. Eine gute Übung, denn unsere Pläne können jederzeit durchkreuzt werden. Eine gute Erfahrung, dann trotz aller Widerstände gemeinsam was draus zu machen… Ausschreibungen für 2021 erscheinen vermutlich ab November.

 

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