Angedacht Quasimodogeniti

"Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!" (Psalm 34,9)

Liebe Gemeinde,

der kommende Sonntag hat den schönen Namen "Quasimodogeniti".

Diesen hat der Sonntag von einem Vers aus dem 2. Petrusbrief "So legt nun ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alle üble Nachrede  und seid begierig nach der vernünftigen lauteren Milch wie die neugeborenen Kindlein, auf dass ihr durch sie wachset zum Heil, da ihr schon geschmeckt habt, dass der Herr freundlich ist."
(2. Petrus 2,1-4)

Der Wochenspruch ist dem sehr ähnlich mit "Schmecken" und "Sehen", und "Sinnlichkeit" und "Begierde".

Letztere steht ja traditionell in einem schlechten Ruf. Bei vielen. Bei mir nicht. Und ich glaube auch nicht bei Gott. Ist es doch in den Geschichten der Menschen mit Gott und der Menschen untereinander, nicht die Begierde, die schlechtes tut, sondern immer nur der Mensch.
Es mag da eine allzu einfache Entschuldigung sein, zu sagen: ich kann ja nichts dafür - es war halt meine Begierde. Da wäre dann wider eine andere oder ein anderer schuld.

Aber die Begierde an sich, ist ja nicht schlecht. Nur das, was wir daraus machen.
"Mist", könnte man jetzt ausrufen, bin ich doch wieder selber schuld.
Ich glaube, dass die Frage nach der Schuld nicht weiterführt. Drängt er uns doch in eine moralische Ecke, aus der wir schlecht wieder herauskommen.
Ich Frage lieber nach der Verantwortung. Denn die kann man - auch wenn man Fehler gemacht hat- wieder übernehmen. Wieder neu anfangen.

Und diese Perspektive des möglichen Neuanfangs braucht es auch, damit Menschen das bearbeiten und verarbeiten können, wo sie gescheitert sind.
Damit sie sich auch denen stellen können, denen Sie Leid angetan haben.
Das schmälert nicht die Verantwortung für das geschehene. Das macht insbesondere das Leid der Opfer nicht kleiner. Das darf es auch auf keinen Fall.

Es geht vielmehr um eine Möglichkeit zu Umkehr, die Chance, die eigene Verantwortung zu erkennen, anzunehmen und sich ihr zu stellen.
Wenn jemand in der Ecke steht und von eigenen Ängsten gefangen ist. So kann er oder sie schlecht umkehren. Man steht ja in einer Ecke. Da gibt es kaum einen Ausweg.

Und hier setzt die Botschaft Gottes ein. Seine Freundlichkeit. Seine Aufforderung an uns alle, Bosheit und Heuchelei abzulegen.
Das ist aber auch die Aufforderung zu einem ehrlichen und offen Umgang miteinander. Zur Übernahme von Verantwortung für unsere Handeln. Zur Anerkenntnis dieser Übernahme der Verantwortung und zum - vielleicht auch gemeinsamen - Neuanfang.
Das gelingt wahrlich nicht immer. Und besonders schmerzhaft für Opfer, wenn das Gegenüber diese eigene Verantwortungsübernahme nicht erkennen lässt.
Ich frage mich, in welcher Ecke manche Menschen stehen, von wem oder was sie sich bedroht fühlen. Besonders, wenn all dies mit Menschen zu tun hat, die eigentlich auf Gott vertrauen sollten und seine Freundlichkeit nicht nur denken, sondern schmecken und fühlen und ihr eigenes Handeln immer wieder daran ausrichten sollten.
Das macht irgendwie keinen Sinn.

Wie sehr brauchen wir doch alle diesen Sinn und die Sinnlichkeit Gottes, unsere Begierde nach der guten Milch, die unsere Vernunft stärkt, aber uns auch berührt und einfach etwas von Gottes Freundlichkeit schmecken lässt.
Eine Chance zu dieser Begegnung mit der göttlichen Freundlichkeit und der Vielschichtigkeit menschlichen Umgangs damit ist immer wieder die Ostergeschichte. Eine Geschichte von Menschen, die die Begierde nach göttlicher Liebe in sich spüren, aber auf vielfältige Weise auch daran scheitern. Eine Geschichte voller Zweifel, Angst, Verrat, Verleugnung, Unglaube und Verunsicherung. Eine unglaubliche Einladung an uns alle, uns genau darin immer wiederzufinden. Wiederfinden zu dürfen. Und trotzdem eingeladen zu sein. Zu schmecken und zu fühlen, zu begehren und zu lieben.

Ohne Angst, dass Gott uns in eine Ecke stellt. Sondern immer wieder seine Hand reicht, um uns aus den Ecken unseres Lebens herauszuholen. Ohne uns ohne Verantwortung dastehen zu lassen. Wie hat es Jeus gesagt: "Wer von Euch ohne Sünde ist…" und zur geretteten Frau: "Geh, und sündige hinfort nicht mehr" (Joh 8 2ff).
Alle sind wir zur Umkehr und zum Vertrauen auf Gott gerufen. Und damit zur Zuwendung zu den Menschen. Wie die neugeborenen Kinder. Voller Begierde nach dem Guten. Quasimodogeniti eben.

Ihr/Euer Pfarrer Gerd Götz

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