Angedacht Pfingsten

"Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth." (Sach 4,6b)

Liebe Gemeinde,
was machen Sie eigentlich traditionell an Pfingsten? Eier färben wahrscheinlich nicht. Geschenke verpacken oder Baum schmücken auch nicht.

Klar, die Pfadfinder*innen unter uns werden sich vielleicht an Pfingstlager erinnern. Aber ansonsten? Ok, der Montag ist frei.
Eins steht fest: es fehlt ein pfingstliches Symbol, eine Tradition, etwas, was man an Pfingsten halt immer macht. Mit dem man vielleicht Garten oder Wohnung schmücken könnte. Sicherlich gibt es persönliche, private Dinge, die sich im Laufe der Zeit als immer wiederkehrend eingebürgert haben.

Selbstverständlich ist nur wegen der Frage nach den äußerlichen Zeichen, das Pfingstfest nicht inhaltleer.
Aber eben nicht so einfach greifbar.

Auch in der Kirche, gibt es da keine festen Symbole. Oder? Doch eines gibt es. Fällt nur nicht so auf. Aber hier können Sie es sehen.
Es ist das Rot.

Rot ist die Farbe, die auf den Heiligen Geist hinweist. Die Taube auch. Aber Rot ist die Farbe. Das sichtbarste Erkennungsmerkmal. (Kleines Rätsel am Rande: welche Farbe hatten die letzten Miteinander?).

Rot ist eine Farbe, die auch im Alltag mit besonderer Aufmerksamkeit verbunden ist. Als Warnfarbe auf Verkehrszeichen, als Hervorhebung wichtiger Informationen. Rot fällt auf.

Aber wer denkt bei Rot an Pfingsten, oder den heiligen Geist? Das bleibt meist den "eingeweihten" vorbehalten. Schade eigentlich. Denn es gibt für mich eine schöne Verbindung zwischen dem Heiligen Geist und z.B. Verkehrszeichen.
Nehmen wir mal das bekannte "STOP"-Schild. Da ist keine Mauer aufgebaut auf der Straße, oder ein tiefer Graben, dass es einfach nicht weitergeht. Aber man soll - besser man muss - anhalten. Und ganz besonders aufmerksam sein. Also Augen auf und Hirn an. Dämmert schon was?

Gottes Geist wirkt ganz ähnlich. Selbst im größten Chaos ist er da. Und hilft.
Er ist auch keine "Erfindung" des neuen Testaments. Nein, schon ganz am Anfang, noch bevor Gott mit der Ordnung, also Schöpfung der Welt beginnt, schwebt er über den Wassern. Mitten im großen "Tohuwabohu".

Besser würde man sogar sagen, "sie" schwebt über den Wassern. Denn Gottes Geist ist im Hebräischen weiblich!
Gottes Geisteskraft ist also etwas, das schon immer da war. Und das im Neuen Testament noch einmal besonders hervorgehoben wird: als Kraft, die die Jünger*innen tröstet (s.a. Miteinander letzter Woche). Und die sie befähigt, sich mit anderen Menschen zu verständigen. Ihnen von Gottes froher Botschaft zu erzählen, selbst wenn diese fremde Sprachen sprechen. Oder einfach so fremd sind.

Gottes Geisteskraft befähigt uns, Dinge zu bewältigen, die uns vielleicht nicht auf Anhieb lösbar erscheinen.
Man kann zwar nicht über ihn verfügen, denn "Gottes Geist weht wo sie will" (Johannes 3, 8), aber wir können ihm Raum geben. Raum lassen.

So geht es mir manchmal bei der Vorbereitung auf Gottesdienste, dem Schreiben von Artikeln und Andachten. Sie kommt. Die Geisteskraft. Aber nicht immer genau dann, wenn ich es in meinen Kalender eingetragen habe. Nun ja. Vertrauen ist hier gefragt. Oder ein fester Glaube. Was ja sinngemäß das gleiche ist.
Bonhoeffer vertraut in weit bedrohlicherer Lage auch auf diese kraftvolle Gegenwart Gottes:
"Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen.
Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen."
(D. Bonhoeffer in "Widerstand und Ergebung" zitiert nach eg 813).

Mit dieser Kraft ausgestattet braucht es keine menschliche Gewalt und keine kriegerischen Heere.

Probleme sehen. Anhalten, innehalten. Dem anderen Raum geben. Auch den Verstand nicht ausschalten. Vor-sehen, vorrauschauend fahren und leben. Verantwortung übernehmen. Vertrauen.
So könnten wir voller fröhlicher Begeisterung auch mal auf die Bremse treten.
Das gibt uns zwar kein Symbol, das wir an einen Baum hängen können. Aber vielleicht eine Haltung, die nicht nur an Pfingsten für alle sichtbar und spürbar ist.

So grüßt Euch und Sie begeistert und herzlich kraftvoll

Ihr/Euer Pfarrer Gerd Götz

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