Angedacht Lätare

"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht." (Joh

Liebe Gemeinde,
es fällt generell, aber manchmal aber eben besonders schwer, wenn man nicht singen darf.

"Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt, - Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt - Liebe lebt auf, die längst erstorben schien: - Liebe wächst wie Weizen und ihr Halm ist grün."

Ein schönes Lied. Wenn auch die Melodie fremd erscheinen kann. So passt es, schön und fremd zugleich für mich sehr gut zu dem Sonntag Lätare. Das heißt "Freut Euch" - mitten in der Fastenzeit. "Klein-Ostern" wird der Sonntag auch genannt. In der Mitte der Passionszeit scheint ein kleines freudiges Licht von Ostern her. In manchen Gemeinden macht das sogar aus dem violetten Parament ein rosa Altartuch.
Also ein bisschen Ostern, aber noch nicht ganz.

Ganz so wie das Lied. Von Jürgen Henkys 1976 gedichtet auf eine Melodie aus dem 15. Jahrhundert. Das macht einiges klar.
Aber das Schöne ist eben, dass es die Spannungen aufnimmt, die spannende Fastenzeit recht beleuchtet.

Die Weisheit des Wochenspruchs aus dem Johannesevangelium klingt fast schon ein wenig banal. Das ist sie jedoch nicht. Wohl eine grundlegende Erkenntnis aus dem Alltag der Menschen. Ohne Saat, und damit "ersterben" des Samen, keine Ernte.
Es sagt aber auch etwas über die Kraft dessen was man loslässt. Viel Kraft und das ganze Leben der neuen Pflanze steckt darin. Weggeben um zu bekommen. Loslassen, um zu erhalten.
Für Gärtner*innen und landwirtschaftlich tätige Menschen eine Selbstverständlichkeit und vielleicht auch einfach Routine.
Wobei: man achtet wohl schon darauf, was man in die Erde bringt. Das ist nicht irgendein Abfall, oder einfach Reste.
Es sind schon gute Körner, besondere Saat-Kartoffeln, ausgewählte Samen. Sonst entsteht nichts neues.

Insofern wirft das auch ein Licht auf den, der sich in den Tod begibt, um Leben neu zu schaffen. Das ist schon ein besonderer Mensch. Der göttliches in sich trägt. Also ganz besonders.
Diesen Gedanken nimmt das Lied vom grünen Weizen auf und lässt es als Hoffnungsbild immer wieder neu erklingen.
Als lebendiges Licht von Ostern her. Das in seinem besonderen Schein die Kraft trägt uns zu tragen. Auch in den Momenten, in denen wir uns weit weg von Gott fühlen. Weil eine tödliche Macht oder gar der Tod selbst in unser Leben greift.

Das ist und bleibt schmerzhaft. Aber Gott lässt uns etwas erwachsen, das uns Kraft gibt. Manches zu ertragen, was wir nicht ändern können.
Aber auch das zu ändern, was wir ändern können. Das voneinander zu unterscheiden erscheint manchmal schwer. Aber es ist möglich. Denn was dem Leben wiedersteht, dem jetzigen und dem zukünftigen und menschengemacht ist, das können wir Menschen auch ändern. Selbst, wenn wir selbst daran beteiligt waren. Einsicht, Umkehr und Auferstehung, es bleiben diese drei. Aber die Auferstehung ist die größte unter ihnen.

So lasst uns im Angesicht des Todes auferstehen und aufstehen. Erkennen und losgehen. Zum Leben hin.

Ihr/Euer Pfarrer Gerd Götz

News vom

Zurück