Angedacht Kantate

"Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder." (Psalm 98,1)

Liebe Gemeinde,
wie schön ist es vor lauter Freude zu singen. Das ist so. Und das bleibt so. fertig.
Und: Ja, das tut gerade vielen besonders weh: Singet! Aber wie?
Aber jenseits - oder eher diesseits - der eingeschränkten Möglichkeiten bleibt uns das erhalten. Auch wenn wir es gerade nicht ausleben können.

Und am Namen des kommenden Sonntags "Kantate" wird etwas deutlich, dass der Gesang und die Musik ein zentrales Element unserer Evangelischen Gottesdienste ist und bleibt. Es ist ein besonderer Verdienst der Reformation, dass im Gottesdienst der Gesang der Gemeinde ein Teil der Verkündigung ist. Und immer wieder Vertiefung sein kann, dessen, was man hört, feiert, betet, fühlt, empfängt.

Also ein sinnliches und besinnliches Element unserer Feiern. Ob am Sonntagmorgen, bei Trauungen und anderen Anlässen und nicht zuletzt auch all den Gelegenheit der Kooperation mit Gesangvereinen.

So trägt die Musik nicht nur die frohe Botschaft, sondern auch uns in die "Welt".

Oder sie lockt die Umwelt der Kerngegemeinde in unsere Gottesdienste. Die beiden Formate, "MusikConTexte" und "PrayAndBrunch", die wir vor Corona "erfunden" haben werden sicherlich auch wieder dazu beitragen.

Auch wenn es gerade besonders schmerzt, dass eben nichts mit Gesang ist, ist es eben auch das, auf das wir uns wieder besonders freuen dürfen. Auf das wir hoffen dürfen, denn es wird wieder Gesang geben. Ganz getreu dem Lied 648 aus dem Gesangbuch: "Zeichen und Wunder sahen wir geschehn in längst vergangnen Tagen, Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen."

Und die Freude über Gottes Wunder ist es ja auch, die nicht nur in den Psalmen zu fröhlichem Jubel verleitet. Schon David zog singend und leicht bekleidet beim Wiedereinzug der Bundeslade vor dieser durch die Straßen Jerusalems. (2. Könige 6). Seiner Frau war das peinlich. David hat dabei seiner Freude einfach freien Lauf gelassen. Unbekümmert tanzte er singend umher.

Was für ein schönes Bild. Ein Bild das aber auch zweischneidig ist. Zeigt es uns doch einerseits, dass vieles eben gerade nicht unbekümmert geht. Immer muss man aufpassen, verzichten, sich im Griff behalten.

Und andererseits erzählt es aber auch die alte Menschheitsgeschichte von Freude und Singen und Tanzen durch die Jahrhunderte hindurch. Und durch alle Katastrophen menschlichen Daseins.

Das gibt mir auch wieder ein bisschen Mut. Mut durchzuhalten. Nicht als platte Durchhalteparole, sondern als tiefgegründete Hoffnung, dass es wieder sein wird: unbekümmertes Miteinander. Freude. Gesang.

Ich weiß zwar nicht, ob wir dazu auch tanzen werden. Aber warum eigentlich nicht? Oder ist das zu peinlich? Ich durfte erfahren, dass vieles in den schweren Zeiten der Pandemie möglich war, was "man" vorher so nicht gemacht hat. Wer weiß? Vielleicht entdecken wir ja auch noch das Tanzen im Gottesdienst.

Ich möchte diese Hoffnung nicht aufgeben, bei allen Rückschlägen. Ich möchte diese Hoffnung nicht vergessen. Und wir werden Wege und Zeiten finden um wieder miteinander zu singen und zu feiern. Daran können wir alle mitwirken. Aufeinander hören, auch wenn wir uns nicht sehen. Nähe spüren und spüren lassen auch auf Abstand. Gottes frohe Botschaft leben und weitertragen auch in bekümmerten Zeiten.

Noch einmal das Lied:

Wir haben Gottes Spuren festgestellt
auf unsern Menschenstraßen,
Liebe und Wärme in der kalten Welt,
Hoffnung, die wir fast vergaßen.

Hoffnungs- und sehnsuchtsvoll grüßt herzlich

Ihr/Euer Pfarrer Gerd Götz

News vom

Zurück