Angedacht Jubilate

"Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden." (2. Kor 5,17)

Liebe Gemeinde,
"und siehe, ich mache alles neu". Dieser Satz stammt aus der Offenbarung des Johannes (Offb 21,5) und bezieht sich zugegebenermaßen auf die neue Schöpfung nach dem totalen Ende der Welt.
Naja, ganz ist er noch nicht da, der jüngste Tag. Auch wenn es sich vielleicht teilweise oder in gewissen Momenten so anfühlt.
Aber am jüngsten Tag ist ja alles ganz weg. Und so weit sind wir noch nicht.

Der Sonntag, zu dem der Wochenspruch aus dem Brief des Paulus an die Gemeinde in Korinth gehört, heiß "Jubilate - Jubelt, freuet Euch".
Und Paulus stimmt in diesen Jubel schon ein, noch vor dem absoluten Ende der Welt. Er schreibt vom neuen, dass mitten im Leben aufblüht.

Da stellt sich die Frage: was blüht uns gerade?
Nun die Entwicklungen der anstrengenden Pandemie regen nicht zu enthusiastischem Jubel an. Um es mal vorsichtig auszudrücken.
Um so wichtiger ist es aber gerade, den Blick zu heben und wieder und wieder zu üben, das zu sehen, was blüht, wächst und verspricht Früchte zu bringen.
Und das nicht nur im übertragenen Sinn. Sondern ganz bewusst zu schauen, wo das Leben lebt.

Die Schöpfung hilft uns dabei. Die Tulpenfelder bei Jüchen, die Kirschblüte in Bonn oder einfach unser Baum vor dem Gemeindezentrum.
Auch diese schönen Kräfte dürfen uns in den Bann ziehen.
Ich werde nie vergessen, wie die Jugenddelegation aus dem Partnerkirchenkreis aus Agusan auf den Philippinen unter dem rosa Blütenregen und
-segen stand und sich einfach gefreut hat. Unterdrückung, Vertreibung und Todesdrohungen in der Heimat waren einfach mal vergessen. Da waren nur Blüten. Und Menschen, die sich gemeinsam wie die Kinder über dieses Naturereignis gefreut haben.
Immer noch ein Bild der Hoffnung.

Und so wurden diese jungen Menschen aus einem fernen Land zu Boten der Freude, der Lebendigkeit. Und sie wurden in diesem Moment auch eine neue Kreatur. Ein Teil der göttlichen Schöpfung, die einfach ihre schönen und guten Seiten hat.
Wie heißt es bei Noah, als Gott seinen Bund mit dem Regenbogen besiegelte: "Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht." (Gen 8,22).

Ich lade Sie dazu ein, in diesen Tagen z.B. den Baum am Gemeindezentrum oder andere wundervolle Orte aufzusuchen und sich einfach in die Schönheit der göttlichen Verlässlichkeit zu begeben. Kraft zu schöpfen. Das Gute und Lebendige zu sehen und davon etwas mitzunehmen.
Vielleicht auch den Gedanken, dass nicht alles schlechter wird. Vielleicht auch das Gefühl der Hoffnung. Der Zuversicht.
Und das Gefühl der Endzeit auf die Endzeit zu verschieben. Stattdessen neues Leben in sich zu spüren. So wie es Paulus seiner Gemeinde in Korinth ans Herz gelegt hat.

Möge Gott Euch und Ihnen - uns das schenken. Immer wieder.

Ihr/Euer Pfarrer Gerd Götz

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