Angedacht Himmelfahrt

"Und ich, wenn ich von der Erde weggenommen und erhöht bin, werde alle zu mir ziehen. (Johannes 12, 32)

Liebe Gemeinde,

groß waren Enttäuschung und Irritation. Da hatten einige erwartet, dass jetzt alles besser wird und dann klappt das doch nicht.
Geduld war und ist gefragt. Und dazu braucht es immer wieder Ermutigung. Und Trost.
Nein, es geht heute nicht direkt um unsere aktuelle Lage, sondern um die der Jünger*innen an Himmelfahrt und in den darauffolgenden Tagen.

ER war auferstanden und wieder da. Wie groß war die Freude. Und die Hoffnung, dass jetzt alles besser wird. Ein paar Wochen war das so. Aber an Jesu Himmelfahrt war ER einfach wieder weg. Einfach so. also schon auf wundersame und beeindruckende Weise. Aber ER war halt weg. Und die Jünger*innen? Die saßen da. Ratlos. Enttäuscht vielleicht auch. Und wussten nicht wie es weitergeht.

Ohne dem Pfingstfest an dieser Stelle vorzugreifen: die Jünger*innen brauchten Trost. Orientierung. Denn sie waren wahrlich niedergeschlagen. Haben sich in ein Haus zurückgezogen und dort im stillen Kämmerlein miteinander ausgeharrt.

Das Verschwinden Jesu hat sie ganz schön runtergezogen. Johannes greift viele Jahre später diese Erfahrung auf und schreibt an die Menschen, die damals immer noch warten, dass das Reich Gottes endlich errichtet wird.

Ein erbauendes, aufrichtendes Wort soll es sein: "Ich werde alle zu mir ziehen". Also auch die, die das Leben gerade richtig runterzieht.
Insofern hoffe ich, dass es uns immer wieder begegnet, dieses Gespür, dass wir auch in den Zeiten der Ratlosigkeit nicht alles verloren haben.
Auch wenn es uns vielleicht genau so geht, wie den Jünger*innen Jesu: Da ist etwas oder jemand weg und wir wissen nicht wie es weitergehen kann.

Da könnte ein Rückblick und ein Ausblick helfen: der Rückblick auf letzten Sonntag: Rogate - bittet, betet. Dort spielt die Ermutigung, sich mit allem an Gott wenden zu dürfen und zu können, eine wichtige Rolle.
Der Ausblick darf sich auf Pfingsten richten: da kommt uns Gott wieder ganz nahe. Zwar nicht in seinem Sohn direkt, aber mit seiner guten und heiligen Geisteskraft. Diese wurde in der Geschichte der Christenheit auch immer wieder als "Tröster" bezeichnet. Kraftspendende Gegenwart Gottes, die motivieren und mobilisieren kann.

Und ein Weiters dürfen wir aus der Geschichte der Jünger*innen mitnehmen: sie sind nicht jeder und jede für sich in das je eigenes Haus gegangen. Sie sind zusammengeblieben. Sie haben sich gegenseitig beigestanden. Ohne, dass einer oder eine die Lösung schon hatte. Vielleicht haben sie auch einfach ihre Sprachlosigkeit miteinander geteilt. Aber sie sind geblieben. Abwartend. Ausharrend. Mit einem Funken Hoffnung im Herzen, dass noch etwas kommen könnte. Und als Gott dann kam, war es ein großes Fest.

Ich freue mich immer wieder auf solche Momente der Gemeinsamkeit auch in der Ratlosigkeit. Und natürlich auch auf die Freude, die Kraft, die sich dann wieder breit machen kann. Und wenn dann viele denken, dass wir nicht mehr ganz dicht sind, dürfen wir aber ganz bei Trost sein. Dazu aber an Pfingsten mehr.

Gesegnete, frohe und gesunde Tage, wünscht uns allen

Ihr/Euer Pfarrer Gerd Götz

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