Alle Jahre wieder...

Liebe Gemeinde,
was soll man da noch sagen?
Oder schreiben?

Das hat jetzt mit der wieder besonderen Situation gar nicht so viel zu tun.
Es gibt Dinge, Ereignisse oder Tastsachen, da fällt einem eher wenig neues zu ein. Weil: Ist doch eigentlich klar.
Aber dann einfach nichts mehr sagen, tun, denken, träumen, hoffen?
Das wäre doch wirklich schade.
Das hieße ja, den Kopf hängen zu lassen. Aufzugeben. Wollen Sie das wirklich?

Zugegeben, die Alternativen dazu sind auch nicht so einfach. Und können einem vorkommen, wie eine nie endende Sisyphos-Aufgabe.
Um so wichtiger, in diesem ganzen "Immer-wieder" etwas zu entdecken, was uns am Leben hält. Was die Hoffnung stärkt und den Mut.

Das erste was mir dabei "alle Jahre wieder" begegnet, ist die Herausforderung von Weihnachten. Alles schon mal da gewesen?
Da halte ich es mit dem Musiker Klaus Lage: Tausend mal gehört, tausendmal ist nichts passiert. Tausend und eine (heilige) Nacht…
In seinem Lied erzählt er von unzähligen Begegnungen, bis zu der einen besonderen, die alles bekannte und gewohnte ganz schön auf den Kopf stellt.
Und eine ganz schöne Geschichte erzählt dieses Lied. Ein Hoffnungslied. Ehrlich, anrührend. Schön.

Ähnlich sind für mich auch immer wieder die Lieder aus alter Zeit. Die Hoffnungslieder. Auch die der Propheten. Die werden nicht müde mit ehrlich kritischer Zeitansage den Herrschenden und der ganzen Menschheit den Spiegel vorzuhalten. Aber eben auch immer wieder den Klang der Hoffnung anzustimmen. So auch Sacharja:

14 Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.
15 Und es sollen zu der Zeit viele Völker sich zum HERRN wenden und sollen mein Volk sein, und ich will bei dir wohnen. - Und du sollst erkennen, dass mich der HERR Zebaoth zu dir gesandt hat.
16 Und der HERR wird Juda in Besitz nehmen als sein Erbteil in dem heiligen Lande und wird Jerusalem wieder erwählen.
17 Alle Geschöpfe seien stille vor dem HERRN; denn er hat sich aufgemacht von seiner heiligen Stätte! (Sacharja 2, 14-17)

Das Besondere an diesem "Lied" ist die lokale Bedeutung für die "Tochter Zion", also das Volk in und um Jerusalem. Aber gleichzeitig die Ansage, dass das nicht nur für die Menschen vor Ort gilt, sondern alle Völker mit in diese Hoffnung hineingenommen werden.
Diese doppelte Perspektive ist eine schöne und gute Hoffnung. Und weitet auch uns den Blick: es gilt für mich, für meinen eigenen "Dunstkreis", aber eben auch darüber hinaus. Weit über den Tellerrand meiner eigenen Wahrnehmung.

Aber: Habe ich es nicht schon schwer genug, muss ich jetzt auch noch an alle anderen denken?
So gedacht lastet ja die Verantwortung für das Heil der Welt alleine auf meinen Schultern. Das ist wahrlich zu viel.
Aber der Blick auf alle Menschen verbindet mich auch mit ihnen. Das Leben in Gemeinschaft heißt eben auch, dass wir gemeinsam für die diese unsere Welt hoffen und schaffen können.
Dann bliebe eigentlich nur noch, mit den anderen zu reden und Lieder der Hoffnung zu singen. Und daraus miteinander etwas zu machen.

Ganz gleich ob es Fragen und Aufgaben zu Weihnachten in der Pandemie sind, oder andere große und kleine Herausforderungen.
Wir leben gemeinsam, wir sind nicht alleine. Denn Gott ruft uns alle. Und er selbst kommt dazu. In diesem kleinen Kindelein in der Krippe. So klein aber ein so großes Zeichen der Hoffnung.

Ich wünsche mir, dass uns das auch dieses Jahr wieder berühren und stärken kann.
Eben: alle Jahre wieder.

Ein reich gesegnetes, gutes und fröhliches Weihnachtsfest wünscht Ihne/Euch allen

Ihr/Euer Pfarrer Gerd Götz

 

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