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Wonnemonate

Liebe Gemeinde,

zwar wird der Mai landläufig als Wonnemonat bezeichnet, man kann das aber durchaus auch auf den Juni ausdehnen.

Ist es doch der Frühling, die auferstehende Schöpfung, die sich in diesen Wochen ganz besonders Bahn bricht.

Dazu noch die vielen Menschen, die gerade in dieser Zeit feiern wollen. Himmelfahrt, Fronleichnam, Pfingsten, Konfirmation, Hochzeit, Taufe und nicht zuletzt das ökumenische Miteinander beim Johannisfest.

Noch viele Anlässe ließen sich aufzählen. Und alle haben gemeinsam: es gibt was zu feiern. Die Motivationen scheinen dabei sehr unterschiedlich zu sein. Sei es für geübte ChristInnen die frohe Botschaft, für andere die Unterbrechung des Alltags oder zur Not einfach die Möglichkeit, zu feiern.

Die so unterschiedlich Motivierten sind versucht übereinander die Nase zu rümpfen. Haben die einen vielleicht kein Verständnis für Traditionen, die andern für romantische Momente und wieder andere nicht für den gezielten Genuss von Alkohol.

Ich frage mich, ob es - bei allen Unterschieden, die auch nicht kleingeredet werden sollen - nicht doch etwas gibt, was diese alle miteinander verbindet?

Ich denke, all den Anlässen ist gemein, etwas anderes tun und erfahren zu wollen. Etwas anderes, als das, was man gewöhnlich tut. Etwas Besonderes, das einen bestimmten Punkt im Leben oder im Alltag hervorhebt.

Das wird bei einer kirchlichen Hochzeit besonders deutlich, aber auch bei den Gottesdiensten unter freiem Himmel an Himmelfahrt und beim Johannisfest. Dazu kommt noch, dass man solche Anlässe in der Regel nicht alleine feiert, sondern mit anderen zusammen. Mit Freunden und Familien. Mit Menschen, mit denen man sich verbunden fühlt.

Der Mensch ist ein geselliges Wesen. Das wird schon ganz im Anfang der Bibel festgestellt, als Gott den Menschen schuf, sagte er: "Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei".

Das hat sehr schöne Effekte, wenn man fröhlich miteinander feiert, das hat aber auch negative Seiten, wenn aus dem Gemeinschaftsgefühl ein Herdentrieb wird, der dann nicht mehr fröhlich ist, und sich vielleicht sogar gegen andere richtet.

Letzteres ist dann auch eine Erfahrung von etwas anderem, als dem was man jeden Tag erlebt. Ob diese Erfahrung dann längerfristig hilft, den Alltag und das Leben positiv zu gestalten, ist fraglich.

Das ist meines Erachtens die grundsätzliche Frage an alles Feiern: Hilft es, das Leben lebenswerter zu machen?

Damit bin ich bei Worten aus dem ersten Johannesbrief, die mich immer wieder zum Nachdenken bringen. Die uns auf die Spur setzen können, was die Unterbrechung des Alltags mit dem Alltag zu tun haben kann und so beides zueinander bringen und eben nicht voneinander trennen. Im 4. Kapitel finden wir die Worte:

Ihr Lieben, lasst uns einander lieb haben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist aus Gott geboren und kennt Gott.
Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

1. Johannesbrief 4, 7.16

Die Liebe Gottes ist es, aus der alles geschaffen wird. Darum soll der Mensch nicht alleinbleiben, weil die Liebe etwas ist, das miteinander verbindet. Seine Geschöpfe untereinander und mit Gott. Diese Liebe geht von Gott aus und wird geschenkt (nicht verdient!).

Wie wir jetzt zum einen Momente schaffen, in denen diese Liebe nicht nur zur Sprache kommt, sondern sichtbar und erlebbar wird, und zum anderen die besonderen und die alltäglichen Erfahrungen miteinander verbinden, das ist unsere Aufgabe und Herausforderung.

Gott beschenkt uns, er vertraut uns etwas an (die Liebe) und ermutigt uns, daraus etwas zu machen. Es klingt vielleicht etwas banal, aber die Liebe ist eins der wenigen Dinge - neben z.B. der Freude - das größer wird, wenn man es teilt.

Damit ist die Liebe das, womit wir sehr verschwenderisch umgehen dürfen, wenn wir nachhaltige Wirkung erzielen wollen. Dabei ist Liebe nicht nur ein Wort, sondern es sind Worte und Taten.

Das fällt meistens etwas leichter, wenn man diese positive Lebensenergie um sich herum sehen, spüren und riechen kann. Darum denken und spüren wir die Liebe häufig besonders in diesen Wonnemonaten.

Vielleicht können wir, so beschenkt, auch liebevoll auf die schauen, die uns fremd erscheinen oder deren Lebensführung nicht der unseren entspricht. Sind doch auch sie, wie wir, geliebte Kinder Gottes.

Einfach ist das nicht. Aber wenn wir es schaffen, uns immer wieder beschenken zu lassen, können wir einander so reich beschenken, dass doch der ein oder andere schöne Moment in dieser Richtung erlebt und gestaltet werden kann. Schon dafür lohnt es sich, das zu versuchen.

Wonnige Grüße von

Ihrem Pfarrer Gerd Götz



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erstellt am 27.05.18