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Quelle lebendigen Wassers



Liebe Gemeinde,

draußen stürmt es oder nieselt, ein kalter Wind weht und die Sonne hat kaum mehr Kraft. Die feuchtnasse Kälte dringt durch und durch. Wie wohltuend ist da eine warme Badewanne, einer heißer Tee auf dem Sofa oder einfach eine heiße Dusche: Es ist Herbst!

Und gegen die eisige Feuchtigkeit hilft Wärme. So, wie das kühle Nass uns Wärme entzieht - wie willkommen in einem heißen Sommer - so bringt uns das wärmende Wasser wohlige Temperatur zurück.

Schön ist das und wohltuend. Wasser ist ein Stück Lebenskraft. Zumal, wenn man sich überlegt, dass es schon die gesteigerte, ja fast luxuriöse Variante ist, Wasser zur Regelung des eigenen Temperaturhaushaltes einsetzen zu können.

Ist es doch nicht nur Lebenskraft, sondern auch das wichtigste Lebensmittel. Es sorgt nicht nur für schöne Momente, sondern wendet Not. Ist also Lebens-Not-Wendig.

Umso härter trifft es, wenn es ganz fehlt. Oder vielleicht sogar da ist, aber eben nicht als Lebensmittel dienen kann, sondern verschmutzt und damit lebensgefährlich ist.

Wir müssen uns in solche Dinge erst reindenken. Weil uns diese Erfahrung fehlt. Wir haben Wasser. In bester Qualität und (fast) unbegrenzt.

Andere stehen Tag für Tag vor der bedrohlichen Frage, ob es Wasser gibt und wenn ja welches.

Ich möchte nicht moralisierend die schönen Momente zerstören. Im Gegenteil. Bleiben Sie, in echt oder in Gedanken dort. Ja, spüren, genießen Sie es. Die Kraft, die aus dem Wasser kommt, zum Leben führt.

In Psalm 1 heißt es:

Wohl dem der den Weisungen des Herrn nachspürt, Tag und Nacht, der ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt, zur rechten Zeit.

Ein gutes Gespür für das eigene Leben entwickeln. Das schätzen zu lernen, was einem Gutes widerfährt, was einem Halt und Boden unter den Füßen gibt. Der Gedanke daran kann dann auch eine gute Grundlage für ein Gespür für das Leben anderer sein.

Darin steckt die Möglichkeit, das eigene annehmen zu dürfen und keine Angst haben zu müssen, es schon alleine dadurch zu verlieren, dass man an das Leben anderer denkt. Wir haben die Freiheit und Möglichkeit aus den eigenen Möglichkeiten, dem eigenen Vermögen zu schöpfen und andere damit zum Leben zu verhelfen.

Der gute alte Martin Luther sagte einmal über die Bäume, die gute Frucht bringen sollen, dass man sich, will man gute Früchte haben, zuerst einmal um den Baum kümmern soll.

Wie wahr.

Und das sehe und höre ich in der Jahreslosung für 2018:

Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21, 6)

Das eine ist: Er gibt. Das Andere: Umsonst. Ohne Gegenleistung.

Wollen wir selbst Quelle sein für andere, wird es schwer, wenn wir kein Wasser führen können. ER ist eine reiche, gute, warme oder erfrischende Quelle, gefüllt mit dem lebendigen Wasser.

Und lebendiges Wasser ist für mich solches, das das ganze Leben trägt: alle Kraft und alle Bewegung. Alle Schwäche und alles Zögern. Alle Freude und alle Traurigkeit.

Lebendigkeit ist vielschichtig. Sie ist für mich nicht nur in der überspringenden Freude und Fröhlichkeit, sondern auch in den Fragen und den traurigen Momenten zu spüren.

Gott nimmt uns nicht nur an, sondern er gibt uns auch die Lebens-Mittel, die wir brauchen. So verstehe ich auch seine Weisungen und Gebote. Als Mittel, um Leben zu gestalten, als Anhaltspunkte. An denen wir anhalten und nachdenken. Und aus diesem Denken dann wieder Chancen und Möglichkeiten für uns und andere entdecken.

Die diesjährige Aktion von Brot für die Welt, dreht sich auch um das Wasser. Man könnte sagen, es geht um Wasser für die Welt. Wasser, das Leben erst ermöglicht. Mehr dazu auch noch in diesem Miteinander.

Diese Gedanken habe ich auch in dem Bild zur Jahreslosung von der Künstlerin Inge Weidemann aus Friedberg entdeckt, das sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Gott als A und O, das die ganze Welt umfasst, und für alle wärmende und erfrischende Quelle ist. Und den Boden befeuchtet, dass daraus etwas wachsen kann.

Ich wünsche Ihnen wärmende Gedanken, gute Ideen und einen gesegneten Winter.

Ihr Pfarrer Gerd Götz



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erstellt am 01.12.17