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Mit unsrer Macht ist nichts getan

Liebe Gemeinde,

angesichts der Morde von Hanau hat Präses Manfred Rekowski, der höchste Repräsentant der Evangelischen Kirche im Rheinland, in seinem Präsesblog am 20.02.2020 geschrieben:

"Christenmenschen sind überzeugt, dass alle Menschen gleichwertig geschaffen sind. Wir teilen die Welt nicht in „Die“ und „Wir“. Jede Person soll geschätzt und respektiert werden, so wie sie ist – unabhängig von ihrer Nationalität, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Alter, Fähigkeit, Aussehen, Geschlecht, Identität oder Erfahrung. Das ist die Art und Offenheit, mit der Jesus auf Menschen zugegangen ist. Die Würde des Menschen richtet sich nicht nach Hautfarbe, Geschlecht, Religion, sexueller Orientierung, Intelligenzquotient oder Bildung."

https://praesesblog.ekir.de/alle-menschen-sind-gleichwertig-geschaffen/#content

Ich hätte meine Gedanken zum Auftakt des Miteinanders nicht besser in Worte fassen können.

Noch vor wenigen Tagen haben wir über die Abendmahlsliturgie im Helferinnenkreis gesprochen. Hier gibt es auch den Gedanken eines Opfers, das Jesus Christus für uns Menschen gebracht hat. Und die Frage, ob wir Opfer bringen müssten, um die Gottheit gnädig zu stimmen.

Ein schwieriger Gedanke ist dabei das "Ein für alle Mal", das Gott nicht nur spricht, sondern in seinem Sohn, und mit der Gottheit des Sohnes auch selbst durchlebt. Aber eben "Ein für alle Mal": es bedarf keiner Wiederholung mehr. Da ist alles gesagt und getan. Von Gott. Und niemandem sonst.

Ein Kernpunkt in der Rechtfertigungslehre. Über den auch heute noch vortrefflich nachgedacht und diskutiert wird.

Gott selbst ist es, der versöhnt. Der sich unverbrüchlich mit den Menschen verbindet und verbündet. Das ist schon in der Schöpfung angelegt, durch den Bund Gottes im Alten (besser: ersten) Testament bezeugt und in Jesus Christus menschliche Realität unter Menschen geworden.

Das kommt auch in Präses Rekowskis Worten zum Ausdruck, wenn er schreibt: "Christenmenschen sind überzeugt, dass alle Menschen gleichwertig geschaffen sind"

Und zwar ausnahmslos alle.

Es kann und darf für uns keinen grundlegenden Unterscheid zwischen Menschen geben. Ausgrenzung, Rassismus und Sexismus sind Dinge, die aus christlicher Perspektiven dem göttlichen Grundgedanken der Schöpfung diametral wiedersprechen. Und von daher von uns als Kirche und Gemeinde aus nicht toleriert oder gar gefördert werden können.

Auch nicht durch den Gedanken, dass die christliche Religion einen exklusiven Anspruch auf alleinseligmachende Wahrheit hat.

Das fällt natürlich schwer. Sind nicht gerade wir es, die für christliche Werte und Tugenden einstehen? Wo bleibt dann unsere Identität?

Eben darin liegt unsere Identität, dass wir eine Identität nicht aus der Abgrenzung oder Herabsetzung von anderen gewinnen (müssen).

Denn Gott selbst hat schon sein Wort für alle Menschen gesprochen. Ein Wort das den Weg für uns Menschen zu ihm und zu uns selbst und unter den Menschen zueinander eröffnet.

Wir sind sozusagen befreit davon, uns diese Zuwendung oder Zusage Gottes verdienen zu müssen. Oder uns dadurch zu definieren, in dem wir anderen diese Zuwendung absprechen.

Wir sind davon befreit. Müssen aber aufpassen, dass wir nicht genau dieser Versuchung immer wieder durch die Hintertür erliegen

So sind m.E. auch die Worte zu verstehen die im Johannesevangelium zu finden sind:

"Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." Joh 14,6

Es ist der exklusive Anspruch Gottes, diesen Weg zu öffnen. Er liegt nicht in der Hand oder in irgendeiner Entscheidung eines Menschen.

Lassen Sie uns diese Entscheidung in aller Freiheit in der Freiheit und der Hand Gottes liegen. Seine Entscheidungen werden weise und gut sein. Sicherlich sogar weiser und besser als alle unsere menschlichen Entscheidungen.

So müssen wir nicht gegen andere kämpfen oder sie ausgrenzen. Wir sind herausgefordert den Entscheidungen und der Größe Gottes zu vertrauen (zu glauben!) und so vielleicht in die Strophe von Luthers Lied einzustimmen: "Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren; es streit’ für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ, der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten." Eg 362, 2

Wohlwissend, dass auch Christen Fehler machen können (ein kurzer Blick in die jüngere Kirchengeschichte reicht), ist es unsere vornehmste Aufgabe für die Freiheit und die Rechte aller Menschen und somit auch aller Religionen einzutreten. Dabei Unrecht und Unterdrückung - auch durch Religionen gleich welcher Couleur - nicht zu verschweigen ist eine logische Konsequenz unserer Antwort auf die Liebe und Freiheit Gottes.

Möge die kommenden Passionszeit uns Gelegenheit dazu geben, genau darüber in besonderer Weise nachzudenken.

Ihr/Euer Pfarrer Gerd Götz



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erstellt am 03.03.20

 

 

 

 

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