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Es kommt ein Schiff, geladen…



... aber wo kann es fest machen? Schiffe, die unterwegs sind, brauchen einen Platz, an dem sie ankern können. Einen sicheren Hafen. Vielleicht ist darum gerade das Schiff immer wieder ein Bild für das Leben. Da geht es nicht immer "still im Triebe". Wellen schlagen höher, die See ist un­ruhig, und wenn es dann mit der Steuerung schwierig wird, sehnt man sich nach dem sicheren Hafen.

Bilder der Sicherheit und Ruhe prägen auch die Zeit rund um Weihnachten. Sie knüpfen bei unseren eigenen Sehnsüchten und Hoffnungen an. Insofern können sie uns Halt geben. Manchmal sind es einfach vertraute Klänge, die so etwas in uns ansprechen.

Das Bild mit dem vereisten Ring an einem Boot ließ mich daran denken, dass das Festmachen wichtig ist, aber manchmal auch schwierig. Mir fiel ein, dass es nicht besonders attraktiv ist, eisig­kaltes Eisen anzufassen. Also ist dieser Ring erst einmal kei­ner, der schon an sich dazu auffordert, an ihm festzumachen. Auf der anderen Seite ist er aber gerade mit dem Raureif besonders schön. Und so, wie sich der Rost darauf zeigt, sicherlich auch kein Ring mit dem in letzter Zeit etwas fest ge­macht worden ist.

Zurück zu unserem Leben: Der vereiste Ring fragt mich, wo ich in der Vergangenheit oder in diesem Jahr nicht fest gemacht habe. Und ob es sich nicht lohnt, auch so einen kalten, verrosteten Ring mal anzuschauen und - wenn auch mit Überwindung - da wieder festzumachen. Wem bin ich lange nicht mehr begegnet? Wen oder was habe ich aus den Augen verloren, ob­wohl es doch sehr nett war? Was hat mich ge­hindert? Diese Fragen sind erst einmal Fragen des Herzens. Fragen, die wir in uns bewegen dürfen, ohne eine zu schnelle Antwort finden zu müssen. Und die Antworten des Herzens sind ja meist auch die ehrlichsten. Nicht immer sind sie für die anderen gedacht. Nicht immer sind sie uns selber angenehm. Weil vielleicht auch ver­werflich. Weil sie vielleicht andere verletzen könnten?

Mitten in diese Gedanken kommt das Schiff, ge­laden bis an sein’ höchsten Bord. Gerade wenn wir ganz nah bei unserem Herzen sind, möchte Gott mit diesem Schiff bei uns fest machen. Aber nicht, um eine Ladung der Häme oder moralischen Verurteilung über uns zu löschen. Er möchte mit seinem Schiff im Herzen fest machen. Und die La­dung ist all das, was er uns geben möchte. Mit seiner Ruhe, ja Zärtlichkeit, mit der er bei uns anlegen möchte. Mit dem Segel der Liebe und dem Mast des heiligen Geistes, der standhaft diese Liebe hält. An Bord sein Sohn. Das ewige Wort, seine Zusage an uns Menschen, dass er uns geschaffen und erwählt hat, seinen Bund mit uns Menschen in seinem Sohn bekräf­tigt und ausweitet. Sein Wort soll Fleisch uns werden. Mitten in die Gedanken des Herzens.

Das Schiff, das da kommt, will uns etwas brin­gen, uns mit seiner Fracht stützen und schützen.

Mir ist diese Ladung ge­rade in der Advents- und Weihnachtszeit beson­ders wichtig geworden. In der Begegnung mit vielen Menschen, mit den Ge­danken zum Jahres­wechsel, in dem - manchmal schwierigen - Nachdenken über Gewe­senes und Kommendes.
In diesem Bild bekom­men für mich auch die Vor­sätze für das neue Jahr eine Tiefe, die über ein "Mehr gutes tun " oder "Abnehmen" hinaus gehen.

Wo kann ich "fest machen"? Wo finde ich Halt und Sicherheit? An welchem Steg habe ich lange nicht mehr angelegt? Wo will ich hin? Gibt es dort auch einen Zielhafen?

Die Botschaft des Liedes kann da Hoffnung ge­ben. Das Schiff Gottes ist auch uns ein Halt, an dem wir fest machen dürfen. Auf das wir uns ver­lassen dürfen, auch wenn das Wasser noch so unruhig ist. Er ist mit uns unterwegs. Und es ist Ermutigung, auch man­chen ungemütlichen, verrosteten Ring als Halt zu sehen und zu ergreifen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine nachdenkliche, aber auch segensreiche Zeit rund um Weihnachten.

Ihr Pfarrer Gerd Götz

Foto:Manfred Nuding bei pixelio.de



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erstellt am 27.11.11