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...der Tag ist nicht mehr fern



Liebe Gemeinde,

kann ein Sonnenuntergang ein Bild der Hoffnung sein?

Zumindest fülle ich es mit der Hoffnung, dass es viele anspricht. Versetzt es uns doch in eine kleine Auszeit. Träumen von solch wunderbaren Momenten. Wo Gottes herrliche Natur uns einfach anrührt und alles Denken und Planen in den Hintergrund treten kann.

Dieses Bild ist in Dänemark entstanden, wo die ehrenamtliche Mitarbeitenden in der Jugendarbeit neue Erfahrungen machen und vergangene nach vorne holen konnten, um weiter - gut zugerüstet - ihrer fabelhaften Aufgabe nachzugehen.

Kraft schöpfen.

Atem holen.

Sehen, schauen, staunen.

Einfach da sein.

Wie schön und wichtig, wie tief und wundersam solche Momente sein können. Und natürlich viel zu selten. Weniger, als wir es uns wünschen.

Und vielleicht auch brauchen.

Jochen Klepper hat es in seinem Lied "Die Nacht ist vorgedrungen" geschafft, etwas von dieser Hoffnung und Zuversicht mitten im Dunkel zum Ausdruck zu bringen. Auch wenn die Nacht da ist, ist doch der Tag nicht mehr fern.

Er hat dieses Gedicht 1938 verfasst. In wahrhaft dunkler Zeit. Wo es besonders schwer fiel, einen Lichtstreifen der Menschlichkeit am Horizont zu sehen.

Leider werden wir in diesen Tagen erneut besonders an diese Zeiten erinnert. In Europa wird rechtes Gedankengut wieder salonfähig. Antisemiten und Rassisten bemächtigen sich der Sprache im Alltag. Herkunft oder Religion wird als Begründung für Ausgrenzung, Hass und Gewalt. Nicht zuletzt beim Anschlag auf die Synagoge in Halle wird dies sichtbar und spürbar.

Umfragen zeigen das erschreckende Ergebnis, dass über 20 Prozent der Bevölkerung antisemitische Ansichten vertritt. Auch evangelische Menschen.

Das ist erschreckend. Die Frage ist nur, ob wir beim Erschrecken bleiben, oder ob es auch bewegt. Uns bewegt und in Bewegung setzt. Als Menschen. Aber auch in den Überlegungen, was - vielleicht nicht nur - unsere christliche Überzeugung dazu sagt: Das biblische Zeugnis und unsere Tradition. Was wir gelernt und noch zu lernen haben. Auch aus unserer eigenen christlichen und kirchlichen Geschichte.

Es gilt eine Haltung zu entwickeln und von dort aus in Bewegung zu kommen. Um die Grundwerte des christlichen Abendlandes - das im Morgenland seinen Ursprung hat - zu bewahren. Und diese nicht Populisten oder gar Faschisten zu überlassen.

Nicht zuletzt in unserer Verfassung haben diese Werte ihren Niederschlag gefunden. Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Rechtsstaat, Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz ohne Ansehen der Person.

Dabei kann es meiner Meinung nach nicht darum gehen, Diskriminierung mit Diskriminierung zu beantworten.

Aber klare Grenzen zu setzen, das Wort zu ergreifen, Solidarität mit Unterdrückten und Verfolgten zu zeigen.

Und sich dabei der schwierigen Aufgabe zu stellen, den Menschen hinter den Parolen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Die Rettung, von der Jochen Klepper spricht, baut auf Vertrauen: Wer "dem Kinde glaubt" wird diese Erfahrung machen.

Wo ist das Vertrauen verloren gegangen, das zu Angst führt, die Abgrenzung zur Folge hat?

Es heißt meines Erachtens, dieses Vertrauen wieder zu ermöglichen. Es neu zu entdecken. Das Gefühl, dass ich gesehen bin, dass ich wert bin, ein vollständiger und vollwertiger Teil dieser Gesellschaft zu sein.

Jesus Christus hat sich gerade denen zugewandt, die ausgeschlossen waren. Er hat das Versprechen Gottes eingelöst, dass Gott schon Noah mit dem Zeichen des Regenbogens gab:

Das sei das Zeichen des Bundes, den ich aufgerichtet habe zwischen mir und allem Fleisch auf Erden. (Gen 8, 17).

Vielleicht sollte der Regenbogen nicht nur Gott an sein Versprechen erinnern, sondern auch uns. Ein Regenbogen, oder ein Sonnenuntergang. Beide zeigen uns, dass diese Welt für alle Menschen geschaffen ist. Dass wir alle Kinder Gottes sind: Juden, Muslime und Christen. Und sicherlich auch alle anderen.

Daraus dürfen wir Kraft schöpfen, um die Aufgaben zu bewältigen, die das Leben uns stellt.

Ich wünsche mir, dass das immer mit dem Ziel geschieht, Leben zu ermöglichen und zu bewahren. Von ausnahmslos allen.

Ihr Pfarrer Gerd Götz



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erstellt am 23.11.19

 

 

 

 

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