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Brot des Lebens



Liebe Gemeinde,

im Johannisevangelium sagt Jesus von sich: "Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten." (Joh 6, 35).

Damit wäre für uns Christen und Christinnen doch eigentlich alles gesagt.

Nie mehr Hunger, nie mehr Durst.

Für die meisten von denen, die dies lesen, dürften aber Hunger und Durst keine direkten Erfahrungen mehr sein. Es sei denn, man gehört zu der Generation, die noch Krieg, Hunger und Vertreibung erleben musste.

Aber heute? Das täglich Brot vermissen?

Wir haben heute meist ganz andere Fragen, die sich mit dem Brot verbinden.

Auf jeden Fall ist genug da. Sogar noch mehr als genug. Bei uns kann man sogar sagen, dass zu viel "Brot" da ist. Pro Jahr werden in Deutschland laut WWF 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Dies entspricht fast einem Drittel des aktuellen Nahrungsmittelverbrauchs von 54,5 Millionen Tonnen in Deutschland. Bis zum 2. Mai 2019 wurden bisher 122 Tage Lebensmittel ausschließlich für die Tonne produziert. Schon 10 Millionen Tonnen davon wären bereits jetzt vermeidbar. (1)

Und das wirft Fragen auf: Warum? Wozu?

Einer der vielen Gründe liegt zum Beispiel darin, dass das Angebot bei vielen Bäckereien zu allen Zeiten in gesamter Bandbreite vorhanden sein muss/soll. Damit alle KundInnen immer, den ganzen Tag, alles zur Auswahl haben. Das kann dann aber nicht alles verkauft werden. Und diese Reste kommen dann weg. Brot oder Brötchen vom Vortag gibt es kaum mehr.

Unser Überfluss führt zum Überschuss.

Der wird zum Teil von den Tafeln aufgefangen, die so wertvolle Arbeit leisten. Aber das Problem eben nicht an der Wurzel packen.

Der Vollständigkeit halber: ich gönne allen von Herzen leckere Brötchen und Co. Aber ich kann auch nicht über die Verschwendung hinwegsehen. Im Gegenteil. Gerade beim Brot empfinde ich sie als außerordentlich schmerzhaft. Ist es doch das zentrale Lebensmittel.

Ein kurzes Nachdenken und ein kleiner Blick über den Tellerrand des mitteleuropäischen Wohlstandes lässt Worte wie "täglich Brot" oder "Brot für die Welt" in anderem Licht erscheinen.

Das Jesus-Wort vom Brot des Lebens steht im Johannesevangelium im Zusammenhang mit der Frage, woher die Jünger und die Menschen genug bekommen. Zum einen, um einfach satt zu machen, zum anderen, um ihren Hunger nach dem zu stillen, was sie nicht recht begreifen können: das Wirken Gottes in dieser Welt. Sie fragen Jesus nach einem Zeichen. Und er sagt ihnen: Ich bin das Zeichen. Ich bin das - unvergängliche himmlische - Brot des Lebens.

So wird zum einen das Brot zum Zeichen des Wirkens Gottes in der Welt. Er hat die menschliche Bedürftigkeit, unseren Hunger nach göttlicher Zuwendung erkannt und in der Wüste das Manna geschenkt und den Nachkommen seinen Sohn als Zeichen seiner Verbindung zwischen Irdischem und Himmlischem. Gott wird so ganz konkret in dieser Welt. Er ist nicht der ferne und unfassbare, sondern der nahe und erfahrbare.

Das klingt sicherlich ein wenig philosophisch. Ist es auch. Es wird aber auch im Johannesevangelium mit ganz konkreter Lebensnähe verbunden. Da waren, bevor Jesus diese Worte sprach, über 5.000 Menschen gekommen, die versorgt werden mussten. Die Jünger zauderten und zweifelten, ob das zu schaffen sei.

Jesus forderte sie auf, einfach anzufangen und zu danken für das, was da war.

Das ist, glaube ich, das entscheidende, was uns auch heute noch bei allen Problemen und Herausforderungen zur Verfügung steht. Die Verbindung herzustellen zwischen dem Himmlischen, also was Gott für die Menschen hat und will, und unserem Tun und Leben auf Erden.

Indem wir die Herausforderungen sehen, aber nicht in Verzagtheit stecken bleiben, sondern - so banal es auch klingen mag - einfach anfangen. Dankbar erkennen, was wir haben und ermutigt entdecken, was wir können.

Diese Idee, diese Haltung könnte uns bei vielen Problemen unserer Zeit helfen. Zu entdecken, was wir haben und das für alle einzusetzen. Damit der Hunger nach Brot, nach Gerechtigkeit, nach Frieden auf der Welt gestillt wird. Damit die Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und den Menschen nicht abreißt.

Das kann heißen, dass wir nicht alles für uns behalten. Dass aber trotzdem - oder gerade deswegen - genug für alle da ist. Auch für uns selbst. So wird ein Stück Brot zu dem, was wir zum Leben brauchen. Weil es mehr ist als Mehl, das kunstvoll zum Nahrungsmittel wurde.

Und vielleicht sind auch Brötchen und Croissants, die schon am Vortag besorgt wurden, eine wunderbare Speise, die es uns ermöglicht, am Sonntag den lieben Gott einen guten Mann und uns Menschen Menschen sein zu lassen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen Mut und guten Appetit.

Ihr Pfarrer Gerd Götz

(1) Quelle: https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/ernaehrung-konsum/verschwendung

Bild Original bei Daniel Kocherscheidt@pixelio.de



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erstellt am 01.06.19

 

 

 

 

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